Mögliche gesundheitliche Gefahren durch bittere Aprikosenkerne

 

Um das pakistanische Volk der Hunzukuc (oft als Hunza bezeichnet) ranken sich viele Legenden, in denen es vor allem um ihre hohe Lebenserwartung geht [1]. Diese wird unter anderem mit ihrer Ernährung begründet, weshalb Himalayasalz und seit neuestem bittere Aprikosenkerne damit beworben werden.

Bittere Aprikosenkerne werden seit einiger Zeit als Mittel gegen Krebs angepriesen, was auf den Inhaltsstoff Amygdalin, auch als Vitamin B 17 oder Laetrile (Lätril) bezeichnet, zurückgeführt wird. Von diesem Inhaltsstoff gehen allerdings nicht unerhebliche gesundheitliche Gefahren für den Menschen aus. Amygdalin ist ein cyanogenes Glycosid, das intakt nicht giftig ist. Beim Abbau von Amygdalin im Körper wird allerdings die äußerst giftige Blausäure gebildet [2].

Die hohe Toxizität von Blausäure ist auf das Cyanidion zurückzuführen. Das Cyanidion bindet sich an Eisen(III)-Ionen des Atmungsenzyms Cytochromoxydase, wodurch die Übertragung von Sauerstoff auf das Gewebe verhindert wird [3]. Durch diese Hemmung der Zellatmung kommt es nach kurzer Zeit zum Tod durch inneres Ersticken. Die tödliche Blausäure-Dosis ist individuell sehr verschieden und liegt zwischen 1 und 30 mg/kg Körpergewicht [4]. Blausäure kommt in gebundener Form in verschiedenen pflanzlichen Lebensmitteln vor, z. B. in bitteren Mandeln, in den Fruchtkernen von Kirschen, Pfirsichen und Aprikosen sowie in verschiedenen Bohnen und Erbsen.

Laut den Leitsätzen für Ölsamen und daraus hergestellte Massen und Süßwaren können bittere Aprikosenkerne bei der Herstellung von Persipan verwendet werden. Die in jüngster Zeit angebotenen bitteren Aprikosenkerne sind jedoch zum direkten Verzehr bestimmt. Die über das Schnellwarnsystem der Europäischen Kommission mitgeteilten Blausäuregehalte in bitteren Aprikosenkernen liegen mit etwa 2000-2500 mg/kg [5] in der gleichen Größenordnung wie bei bitteren Mandeln. Charakteristisch für die bitteren Aprikosenkerne ist deren bitterer Geschmack. Jedoch stellt das alleine keinen ausreichenden Schutz vor eventuellen Vergiftungen da, da Teile der Bevölkerung nicht über die Geschmacksempfindung „bitter“ verfügen. Höchstmengenregelungen gibt es nur für Blausäure in verzehrsfertigen aromatisierten Lebensmittel (siehe Anlage 4 der Aromen-verordnung). Für bittere Aprikosenkerne existieren keine gesetzlichen Festlegungen, daher erfolgt die Beurteilung in Analogie zu den Empfehlungen für bittere Mandeln. Bittere Aprikosenkerne sind verkehrsfähig, jedoch nur in Verbindung mit einem Warnhinweis, dass sie Blausäure enthalten und für den Rohverzehr ungeeignet sind sowie das die Aufbewahrung für Kinder unzugänglich zu erfolgen hat. Weiterhin sollte eine dem Blausäuregehalt entsprechende Verzehrsempfehlung vorhanden sein. Die Abgabe im Handel sollte in kleineren Abpackungen von beispielsweise 25g oder 50g erfolgen.

Laut Mitteilungen aus anderen Bundesländern werden bittere Aprikosenkerne in Reformhäuser, Naturkostläden sowie über das Internet angeboten. An der LUA Sachsen wurden bisher keine bitteren Aprikosenkerne zur Untersuchung eingereicht, was auf eine geringe Marktrelevanz in Sachen hindeutet.

Die Wirkung der bitteren Aprikosenkerne gegen Krebs ist nicht hinreichend wissenschaftlich bewiesen [6]. Aufgrund der geschilderten Toxizität des darin enthaltenen Amygdalins kann vom Kauf und Verzehr von bitteren Aprikosenkernen nur dringend abgeraten werden.

 

Literatur:

 

[1]       Internetseite von www.wikipedia.de, Suchbegriff: Hunzukuc, Stand: 02.11.2006

 

[2]       Belitz, H.-D.; Grosch, W.: Lehrbuch der Lebensmittelchemie, Springer-Verlag Berlin, 4. Auflage, 1992, S. 683

 

[3]       Oberdisse, E., Hackenthal, E., Kuschinsky, K.: Pharmakologie und Toxikologie, Springer-Verlag Berlin, 1997, S. 729

 

[4]       Eisenbrand, G.; Schreier, P.: Römpp Lexikon Lebensmittelchemie, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 1995, S. 117

 

[5]       Schnellwarnungen aus dem Jahre 2006 (0658 - Blausäure in Aprikosenkernen bitter aus der Türkei; BWY – Blausäure in Bitteraprikosenkernen aus der Türkei; 0568 – Blausäure in Bio-Bitteraprikosenkernen aus der Türkei)

 

[6]       Internetseite von www.pharmazeutische-zeitung.de:

            Bertsche, T.; Schulz, M.: Amygdalin – ein neues altes Krebsmittel?;     http://www.pharmazeutische-zeitung.de/fileadmin/pza/2003-24/pharm4.htm

 

Bearbeiter:                   DLC Bußler                            LUA Dresden

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