Beobachtungen aus der Praxis zur
Beurteilbarkeit des Verdorbenheitsgrades von Frittierfett auf Grund der
Fettfarbe
1.
Zielsetzung
Durch diesen Versuch soll überprüft werden, inwieweit die Verfärbung von gebrauchtem Frittierfett eine Aussage über dessen Verdorbenheitsgrad erlaubt.
2.
Versuchsaufbau
6 Proben gebrauchten Frittierfetts
(Temperatur: ca. 60°C) unterschiedlicher Färbung wurden mittels zwei Testgeräten
( testo 265 der Firma Testo und ebro FOM 300 der Firma Ebro) auf ihren
Verdorbenheitsgrad untersucht. Beide
Geräte messen die polaren Anteile im Fett, welche auf Grund
thermisch-oxidativer Vorgänge beim Frittieren entstehen und ein Maß für die
Verdorbenheit darstellen. Fett mit mehr als 24% polaren Anteilen gilt als
kritisch und muss mit anderen Untersuchungsmethoden (u.a. Sensorik, Säurezahl,
Rauchpunkt) beurteilt werden. Hierzu ist eine amtliche Probenahme mit ca. 300 ml
Öl erforderlich. Wichtige Parameter mit Einfluss auf die Fettqualität wie das
Frittiergerät, die Art des Fettes, die Dauer des Gebrauchs, sowie die
Frittiertemperatur wurden bei dem Versuch nicht berücksichtigt; es soll
ausschließlich auf den Zusammenhang zwischen Verfärbung des Fettes und
Fettverderb (gemessen in polaren Anteilen) eingegangen werden.
3.
Ergebnisse
|
Probe
Nr. |
Farbe
|
Polare Anteile [1] |
Polare Anteile[2] |
|
1 |
Hellgelb |
12,5 % |
9 % |
|
2 |
Zitronengelb |
25 % |
27 % |
|
3 |
Orange |
27,5 % |
29 % |
|
4 |
Hellbraun |
48 % |
>Messbereich (35 %) |
|
5 |
Dunkelbraun |
29 % |
31 % |
|
6 |
Dunkelbraun |
28,5 % |
31 % |
-
Bis auf Probe Nr. 1 haben sämtliche
Proben, trotz teilweise heller Färbung, mehr als 24 % polare Anteile
-
Probe Nr. 4 weist trotz einer
geringeren Verfärbung deutlich mehr polare Anteile als Probe Nr. 5 und Probe
Nr. 6 auf.
4.
Deutung
Auf
Grund der Ergebnisse lässt sich sagen, dass eine Beurteilung, ob das
Frittierfett verdorben ist oder nicht, ausschließlich anhand der Fettfarbe
nicht möglich ist. So müssen sämtliche Proben, mit Ausnahme von Probe 1 als
verdorben angesehen werden, obwohl die Proben 2 und 3 keine deutliche Braunfärbung
erkennen lassen.
Des weiteren kann gesagt werden, dass
der Verdorbenheitsgrad nicht zwingend mit der Stärke der Verfärbung
korreliert. Das zeigt sich daran, dass die Probe Nr. 4 trotz einer helleren
Farbe wesentlich mehr polare Anteile enthält und damit einen höheren
Verdorbenheitsgrad aufweist als die Proben 5 und 6.
5.
Fazit
Die
Verfärbung von gebrauchtem Frittierfett eignet sich nur bedingt zur Beurteilung
des Fettverderbs. Zwar kann eine deutliche Braunfärbung als Anzeichen für
einen beginnenden Verderb herangezogen werden. Der Umkehrschluss, dass nicht
verfärbtes Fett auch nicht verdorben ist, ist, wie dieser Versuch zeigt, jedoch
nicht möglich.
Probe Nr.
1 2
3
6
5 4

Probenanordnung nach dem Grad der polaren Anteile
(von
links nach rechts)
Christoph
Kock, Cand. med. vet.
Andreas
Feldmann, LMK
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