Quelle: Stöhr-Brot, 26655
Westerstede
Strahlung ist bekanntlich Energie, die sich durch den Raum
bewegt. Sonnenlicht ist eine der bekanntesten Strahlungsarten. Es verursacht
Licht, Hitze und Sonnenbräune. Wir kontrollieren seine Auswirkungen auf uns mit
Hilfe von Sonnenbrillen und -schirmen, Klimaanlagen, Hüten, Kleidung und
Sonnenschutzmitteln.
Ohne Sonnenlicht gäbe es kein Leben auf der Erde, aber wir haben mittlerweile eingesehen, dass zuviel Sonnenstrahlung für uns schädlich, sogar gefährlich sein kann und deshalb kontrollieren wir, wie stark wir ihr ausgesetzt sind.
Sonnenlicht besteht aus Strahlung in einem Spektrum, das
von langwelliger Infrarotstrahlung bis zu kurzwelliger Ultraviolettstrahlung
reicht.
Jenseits der Ultraviolettstrahlung gibt es Strahlungsarten von höherer Energie, die in der Medizin eingesetzt werden und die wir alle in niedriger Dosierung aus dem Weltraum, aus der Luft und aus der Erde aufnehmen. Diese Strahlungsarten können wir unter dem Begriff ionisierende Strahlung zusammenfassen.
Ionisierende Strahlung tritt in
zwei Formen auf – Strahlen und Partikel, am hochfrequenten Ende des
Energiespektrums. Ionisierende Strahlung erzeugt in dem Material, auf das sie
trifft, elektrisch geladene Partikel, so genannte Ionen. Dieser Vorgang wird als
Ionisation bezeichnet. Ionisierende Strahlung kann die großen chemischen Moleküle
beeinflussen, aus denen alles Leben aufgebaut ist, und kann auf diese Weise
biologisch bedeutsame Veränderungen auslösen.
Es gibt verschiedene Arten
ionisierender Strahlung
Röntgen- und Gamma-Strahlen, sind Energieformen wie z.B.
Licht, die sich in Wellenform fortbewegen, ohne ein materielles Medium zu benötigen,
so wie Hitze und Licht von einem Feuer oder der Sonne sich durch den Raum
bewegen. Röntgen- und Gammastrahlen sind praktisch identisch. Der einzige
Unterschied besteht darin, dass Röntgenstrahlen nicht aus dem Atomkern kommen.
Im Gegensatz zu Licht haben sie beide ein großes Durchdringungsvermögen und können
organische Stoffe durchdringen. Dicke Barrieren aus Beton, Blei oder Wasser
werden zum Schutz vor ihnen eingesetzt.
Alpha-Partikel, Beta-Partikel, Kosmische Strahlung und
Neutronen spielen in diesem Zusammenhang keine Rolle.
Ionisierende Strahlung wird ebenfalls in vielen Bereichen
der Medizin, der Wirtschaft und der Industrie erzeugt. Die bekannteste und auf
nationaler Ebene größte Verstrahlungsquelle ist der Einsatz von Röntgenstrahlung
in der Medizin. Die natürliche Strahlung trägt ungefähr 88% zur jährlichen
Strahlenbelastung bei und die medizinische Anwendung den Großteil der
restlichen 12%. Natürliche und künstlich erzeugte Strahlung unterscheiden sich
nicht in Art oder Auswirkung.
Probleme in der Lebensmittelindustrie (speziell Bäckereien)
Bei genauen Wareneingangskontrollen durch Sichtung werden häufig
Fremdkörper gefunden. Diese Fremdkörper sind in der Regel nicht im gemahlenen
Getreide und wenig im Schrot zu finden. Dieses lässt den Schluss zu, dass die
heutige Müllereitechnik die meisten Fremdkörper ausscheiden kann.
Anders sieht es bei Saaten aus. Diese werden in den Herkunftsländern abgepackt.
Kürbiskerne und Hirse kommen häufig aus China, Leinsaat aus Kanada,
Sonnenblumenkerne aus den USA, Sesam aus Südamerika. Auch wenn
Nachreinigungsprozesse in Deutschland bescheinigt werden, sind in einigen
Partien teilweise viele Fremdkörper zu finden. Bäckereien verfügen meist
nicht über die Technologie, diese Partikel finden zu können. Dieses führt
dann zu den befürchteten Kundenreklamationen, die auch mit Schadenersatzansprüchen
auf Grund beschädigter Zähne verbunden sein können.
Die Analyse von Kundenreklamationen zeigt, dass das Fremdkörperproblem vom Lieferanten des Bäckers kommt:
|
Artikelgruppe |
Reklamationshäufigkeit |
|
Brot aus Mehl |
< 1% |
|
Schrotbrot (ohne Ölsaaten) |
12% |
|
Brot mit Ölsaaten |
77% |
Stöhr-Brot
in Westerstede hat sich für die Fremdkörperdetektion mit Röntgenstrahlen in
Ölsaaten entschieden. Das Produkt läuft bei diesem Verfahren über ein
Transportband unter einem schmalen Röntgenfenster hindurch. Hierbei wird die
vordefinierte Produktdichte geprüft. Wird dieser Dichtewert nicht eingehalten,
wird ein Teil dieses Produktes mit dem Fremdkörper am Ende des Transportbandes
ausgeschieden. Da mit jedem Fremdkörper ca. 2 kg Produkt mit ausgeschieden
werden, eignet sich dieses System nicht als Ersatz für klassische
Reinigungsverfahren, sondern lediglich zur Endkontrolle.
Mit diesem Verfahren wird auch keine „Bestrahlung“ von Lebensmitteln
durchgeführt. Die Strahlendosis reicht nicht aus, um eine ionisierende
Strahlung am Produkt nachzuweisen. Die beschriebene Anlage arbeitet mit 35
Kiloelektronenvolt (KeV) und einer geringen Strahlendosis. Klassische
Lebensmittelbestrahlung benötigt 5 – 10 Megaelektronenvolt (MeV) mit einer
hohen Strahlendosis.
Der
Gesetzgeber erlaubt den Einsatz solcher Anlagen zur Fremdkörpererkennung. Das
Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz hat den Einsatz der
beschriebenen Anlage in Niedersachsen auch für Bio-Produkte zugelassen, da mit
diesem Prüfverfahren die Lebensmittelsicherheit deutlich erhöht wird.
Schon
in der Einführungsphase wurden viele Fremdkörper gefunden. Eine sofortige
Reklamation beim Vorlieferanten bewirkt, dass dieser wiederum Quelle und
Kontaminationsgrad gleich ermitteln konnte. Unsichere Vorlieferanten konnten so
sofort gesperrt werden. Zu Beginn des Scannens wurden 1-2 Fremdkörper je 25-kg
Sack gefunden, nach dem Ausschluss unsicherer Vorlieferanten findet sich in 5 to
Saaten noch durchschnittlich ein Fremdkörper.

Fremdkörperermittlung
während der
Einführungsphase
Reinheitsgrad
der Saaten üblicherweise 99,95% = 50g auf 100 kg
Gewicht
links = 5 Gramm aus 5 to
34
Steine
6
organische Fremdkörper
1
Glasstück
Einige andere Beispiele

Kontaminierte Pizza
(Schraube)

Schraube in Pralinen
(Unterlegscheibe)
![]() |
Steine in Sesamsaat
Glasstück
in
Kürbiskernen
Das Prüfverfahren mit Röntgenstrahlen ist jedoch nicht unfehlbar. Bestimmte Fremdkörper können nicht erkannt werden. Dieses sind:

Þ
Holz
Þ
Glas < 1 mm
Stärke
Þ
Steine < 1
mm Stärke
Þ
Kunststoffe:
Þ
Folien
Þ
Kabelhülsen
Þ
Filzstifte
Deutlich macht dieses das neben-
stehende Bild: Kugelschreiber mit
Kunststoff- und Metallteilen.
Ø Metall ist sichtbar
Ø Kunststoff ist unsichtbar
Auch ist der Auswurf eines Fremdkörpers nicht unproblematisch: Je Fremdkörper werden ca. 2 kg Produkt ausgeschieden. Daher kann eine solche Anlage kein Ersatz für klassische Reinigungsmethoden sein.
Eine Röntgenprüfung ist jedoch für die Wareneingangskontrolle unverzichtbar, da Fremdkörper in Lebensmitteln so den Lieferanten direkt zugeordnet werden können. Gegebenenfalls kann auch sofort eine Lieferantensperre verhängt werden. In einer Warenausgangskontrolle macht eine solche Anlage ebenfalls Sinn: Trotz größter Sorgfalt im eigenen Produktionsablauf kann ein Fremdkörper in das Produkt gelangt sein. Es ist nicht gut, wenn der Kunde diesen findet und vielleicht dadurch einen gesundheitlichen Schaden erleidet.
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